Seifersdorf bei Dresden

   

 

Bedeutende Dichter im Seifersdorfer Tal - Goethe

 

Tempel des Amor
     

Auf einem Steinhügel in einem griechischen Holztempel stand früher das gusseiserne Standbild. Der geflügelte Liebesgott schwingt zwei Sanduhren in den Händen. 

Die rätselhafte Darstellung deutet der Spruch auf einer Steinplatte darunter.

Die Inschrift folgt dem Epigramm "Zeitmaß" von Johann Wolfgang von Goethe.

    
      
Eine Sanduhr in jeglicher Hand erblick ich den Amor. 
Wie? der leichtsinnige Gott, doppelt mißt er die Zeit? 
Langsam rinnen aus einer die Stunden entfernten Geliebten.
Gegenwärtig fließt eilig die zweite herab.
 
     

Während eines Kuraufenthalts in Karlsbad 1785 kam Johann Wolfgang von Goethe den Brühls, besonders der schönen Gräfin Tina, näher. In dieser Zeit widmete er ihnen drei Gedichte.

   
Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

Goethe wurde 1749 in Frankfurt am Main geboren und entstammt einer wohlhabenden Familie. Sein Vater war Rechtsgelehrter. Nach einer Erziehung durch Privatlehrer geht Goethe als Sechzehnjähriger an die Universität Leipzig, um Jura zu studieren, hört aber auch Gottsched und Gellert und lässt sich im Zeichnen und in Leibesübungen ausbilden. Seine vielseitigen Interessen und das tolle studentische Treiben, von dem er mitgerissen wird, stürzten ihn plötzlich in eine schwere Krankheit. Zwei Jahre muss er sich zu Hause gesundpflegen lassen. Nach der Genesung bezieht Goethe die Universität Straßburg (1771/1772). Der junge Goethe steht als Kind im Bann des ausgehenden Hochbarocks und wendet sich dann der spielerischen Art des Rokoko zu. Nach Überwindung jugendlicher Sturm-und-Drang-Jahre wird er zusammen mit Schiller der maßgebende Vertreter des Weimarer Klassizismus. Der alte Goethe wendet sich in seiner Formensprache bereits der siegreichen Romantik zu.

Der junge Goethe   1749 – 1775

Die schicksalhafte Begegnung mit Johann Gottfried Herder begeistert ihn für die Ideen des Sturmes und Dranges und die großen sprachlichen Leistungen der Lutherbibel, Shakespeares, Homers und des Volksliedes.

Die Liebe zu der Pfarrerstochter von Sesenheim, Friederike Brion, lässt ihn zu einem nie gekannten ursprünglichen Ton in den "Friederiken-Liedern" finden. Er verlässt sie ohne Abschied um am Reichskammergericht nach Wetzlar zur weiteren juristischen Ausbildung zu gehen.

In Wetzlar verliebt er sich leidenschaftlich in die Verlobte seines Freundes Kestner, Charlotte Buff. Gestaltung und zugleich Überwindung dieser Beziehung bedeutet für Goethe der bekenntnishafte Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“.

Als der Herzog Karl August von Sachsen-Weimar den jungen Dichter einlädt, sagt Goethe zu. Im November 1775 trifft Goethe in Weimar ein. Aus dem Besuch wird ein Bleiben für immer. Weimar wird zum kulturellen Mittelpunkt der klassischen Literatur- und Kunstepoche.

 

Goethes erste Weimarer Jahre   1775 - 1786

Wieland ist bereits in Weimar, nun wird Goethe durch den jungen Herzog Karl August mit verschiedenen staatspolitischen Aufgaben betraut. Goethe beruft Herder als Generalsuperintendenten und Hofprediger nach Weimar. 1799 schließlich übersiedelt auch Schiller dorthin.

In Weimar löst sich Goethe endgültig aus dem Sturm und Drang. Diese innere Läuterung wird zum Teil durch die Hingabe an seine staatsamtliche Tätigkeit herbeigeführt. Vollendet wird sie aber durch die Freundschaft mit der feinsinnigen und hochgebildeten Frau Charlotte von Stein. Sie führt ihn aus der Ichversponnenheit zur Anerkennung der Gesellschaft. Diese Freundschaft findet auch in den dichterischen Werken ihren Niederschlag. Waren die Jugendwerke der Sturm-und-Drang-Periode in unbekümmerter Genialität in kürzester Zeit hingeschrieben worden, so überarbeitet Goethe fortan alle Werke. In flüchtiger Prosafassung entstehen die drei Dramen „Die Geschwister“, „Iphigenie“ und „Tasso“ sowie der Roman „Wilhelm Meister“.

 

Die italienische Reise   1786 - 1788

Neben der allgemeinen Sehnsucht der damaligen deutschen Geisteswelt nach der klassischen Antike entspringt die Reise Goethes vor allem dem Wunsch, sich aus den zermürbenden Staatsgeschäften zurückzuziehen, um zur Selbstbesinnung zu gelangen. Das Ziel seiner Reise ist Rom. Hier umgibt ihn die Kultur der Antike, deren „edle Einfalt und stille Größe“ im Sinne Winckelmanns er jetzt als jenes Stilgesetz erkennt, das nicht das Individuelle, sondern allgemein Menschliche, das Typische zum Ausdruck bringen soll. Darum beschließt Goethe nun, alles in Weimar Geschaffene einer durchgreifenden Umarbeitung zu unterziehen, deren äußeres Merkmal die Anwendung der gebundenen Rede anstelle der Prosa ist.

 

Nach der Rückkehr aus Italien   1788 - 1794

Die im klassischen Sinne überarbeiteten Werke finden nicht die gewünschte Anerkennung. Goethe widmet sich jetzt naturwissenschaftlichen und kunstgeschichtlichen Studien. Er unternimmt eine zweimonatige Reise nach Venedig, deren dichterisches Ergebnis die "Venezianischen Epigramme" sind. 

 

Der Bund mit Schiller   1794 - 1805

Die Zeit zwischen Goethes Rückkehr aus Italien und Schillers Tod (1788 – 1805) umschließt im engeren Sinne die Weimarer Klassik, die sich die maßvolle und harmonisch ausgewogene Darstellung zur Aufgabe setzt:

1.     Schiller drängt Goethe zur klaren, philosophischen Fundierung seiner Dichtung.

2.     Goethe zwingt seinen Freund von einem idealistischen Höhenflug herunter auf die realistische Ebene.

Ein gemeinsames Ergebnis der dichterischen Tätigkeit sind die „Xenien“ und vor allem die im Balladenjahr 1797/98 entstandenen Balladendichtungen. Die Ballade des Sturm-und-Drangs mit ihrer Tendenz zum Dämonischen, Geisterhaften weicht nun, besonders bei Schiller, der Ideenballade. 

 

Der alte Goethe   1805 - 1832

Die Jahre nach Schillers Tod bringen den Untergang des Heiligen Römischen Reiches und die Besetzung Europas durch die napoleonischen Heerscharen.

Die Ideen der Romantik bezüglich der Weltliteratur und die Herausgabe der deutschen Volkslieder im „Wunderhorn“ finden seinen ungeteilten Beifall. Er versenkt sich selbst in persische und spanische Literatur und interessiert sich lebhaft für die zeitgenössische Literatur Europas. Auch im Leben des alternden Goethe spielen Frauen wiederholt eine für seine Dichtung stimulierende Rolle, die Liebeslyrik des „Westöstlichen Divian“ und die „Marienbader Elegie“.

Die letzten Lebensjahre sind mit unermüdlicher dichterische Arbeit erfüllt. Außer den lyrischen Dichtungen entsteht das Drama „Pandora“, werden „Faust II“ sowie die epischen Werke „Wilhelm Meisters Wanderjahre“. „Die Novelle“ und „Die Wahlverwandtschaften“ vollendet. Der alte Goethe wird zu einer mythischen Gestalt. Von Goethe empfangen zu werden, gilt besonders bei jungen Engländern, die Europa bereisen, als gesellschaftliche Auszeichnung.